Digitale Fitness im Ruhestand
Der Arzttermin wird online gebucht, die Enkel schicken Fotos per WhatsApp, die Bank schließt die Filiale um die Ecke, und die Bahnfahrkarte gibt es am günstigsten in der App. Ob man will oder nicht: Das Digitale ist im Alltag angekommen. Viele Menschen im Ruhestand fühlen sich davon überrollt, manchmal auch ein wenig ausgeschlossen. Die gute Nachricht lautet: Es ist nie zu spät, einzusteigen, und man muss kein Technikexperte werden, um davon zu profitieren.
warum es sich lohnt
Digitale Kenntnisse bedeuten vor allem eines: Selbstständigkeit. Wer Überweisungen selbst erledigen, Fahrpläne nachschauen oder Formulare online ausfüllen kann, ist weniger auf Hilfe angewiesen. Hinzu kommt die Nähe zur Familie und zu Freunden. Ein Videoanruf mit den Enkeln in Hamburg oder ein kurzer Gruß an die alte Schulfreundin ist mit wenigen Fingertipps erledigt. Gerade für Menschen, die allein leben oder nicht mehr so mobil sind, kann das ein großes Stück Lebensqualität sein. Und nicht zuletzt hält das Lernen geistig fit. Wer sich mit Neuem beschäftigt, trainiert das Gedächtnis und bleibt neugierig, ganz gleich, ob es um eine App für Wanderrouten, ein Hörbuch oder die Ahnenforschung im Internet geht.
Klein anfangen statt alles auf einmal
Der häufigste Fehler ist, sich zu viel vorzunehmen. Besser ist es, mit einem konkreten Wunsch zu beginnen: „Ich möchte Fotos von meinen Enkeln empfangen“ oder „Ich möchte meinen Kontostand selbst sehen“. Ist dieses Ziel erreicht, kommt das nächste dazu. So wächst das Wissen Schritt für Schritt, und die Erfolgserlebnisse machen Mut. Für den Anfang reicht meist ein Smartphone oder ein Tablet. Tablets haben den Vorteil, dass Schrift und Symbole größer sind. Fast alle Geräte lassen sich zudem seniorenfreundlich einstellen: größere Schrift, lautere Töne, vereinfachte Startbildschirme. Lassen Sie sich das beim Kauf oder von einem vertrauten Menschen ruhig zeigen.
Hilfe gibt es reichlich
Niemand muss sich allein durchkämpfen. Volkshochschulen bieten Smartphone- und Computerkurse speziell für Ältere an, oft in kleinen Gruppen und in ruhigem Tempo. Auch viele Seniorenbüros, Bibliotheken, Kirchengemeinden und Mehrgenerationenhäuser haben sogenannte Digitalpaten oder offene Sprechstunden, in denen Ehrenamtliche geduldig Fragen beantworten. Und natürlich die Familie: Enkel erklären oft gern, wenn man ihnen sagt, dass sie es bitte langsam und zum Mitschreiben tun sollen. Ein Tipp aus der Praxis: Legen Sie sich ein kleines Heft an, in das Sie wichtige Schritte notieren. Was man selbst aufgeschrieben hat, behält man besser, und beim nächsten Mal muss man nicht wieder fragen.
Sicher unterwegs im Netz
Mit dem Internet kommen leider auch Betrüger. Ein paar einfache Regeln schützen zuverlässig. Geben Sie niemals Passwörter, PINs oder TANs weiter, auch nicht an angebliche Bankmitarbeiter oder Polizisten am Telefon. Seien Sie misstrauisch bei Nachrichten, die Druck machen („Ihr Konto wird gesperrt!“) oder in denen sich ein „Kind“ mit neuer Nummer meldet und Geld braucht. Rufen Sie im Zweifel die bekannte Nummer an und fragen Sie nach. Klicken Sie nicht auf Links in unerwarteten E-Mails oder SMS. Und halten Sie Ihr Gerät mit Updates aktuell. Wer diese Grundregeln beachtet, ist schon sehr gut geschützt.
Keine Angst vor Fehlern
Viele Ältere haben Sorge, „etwas kaputt zu machen“. Diese Angst ist meist unbegründet. Ein falscher Tipp lässt sich fast immer rückgängig machen, und kein Gerät geht davon kaputt, dass man ausprobiert. Auch die Jüngeren haben das alles durch Ausprobieren gelernt. Geduld mit sich selbst ist das Wichtigste.
Unterm Strich
Den digitalen Anschluss zu halten heißt nicht, jedem Trend hinterherzulaufen. Es heißt, die Werkzeuge zu nutzen, die das eigene Leben leichter, sicherer und reicher machen. Mit kleinen Schritten, guter Unterstützung und einer Portion Neugier gelingt das in jedem Alter. Probieren Sie es aus: Die Enkel werden staunen.